Teure Verpflegung oder gesunde Ernährung?

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Teure Verpflegung oder gesunde Ernährung?

Die Krankenhäuser hierzulande sehen sich seit einiger Zeit in einer neuen Situation: Sie stehen im Wettbewerb um Patienten wie Hotels im Wettbewerb um Gäste oder Kaufhäuser im Wettbewerb um Kunden. Im Gegensatz zu anderen Marktteilnehmern können sie ihr Angebot allerdings nicht einfach über den Preis vermarkten, denn der Kunde – der Patient bzw. die Patientin – bezahlt die Krankenhausleistungen nur in den seltensten Fällen selbst. Die meisten Patienten wissen nicht einmal, wie viel ihre Behandlung oder ihr Krankenhausaufenhalt gekostet hat. Und diejenigen, die die Leistungen bezahlen, treffen nicht die Entscheidung über die Auswahl.

Also bleibt nur der zweite, schwierigere Weg, um Marktanteile zu sichern: Der Weg über die Qualität.

Krankenhäuser im Wettbewerb

Und hier wiederum ist es so, dass der Patient die Qualität der wichtigsten Leistung – nämlich der medizinischen Behandlung – nicht wirklich beurteilen kann. Also muss man in den Bereichen die Qualität steigern, die vom Patienten direkt wahrgenommen und bewertet werden können. Das Naheliegendste hierbei ist die Unterbringung und Versorgung, insbesondere die Verpflegung.

Das Essen ist Mittelpunkt des tristen Krankenhausalltags und wird mangels Ablenkung besonders intensiv wahrgenommen. Kein Wunder also, dass die Verpflegung bei einer „Qualitätsoffensive“ als Erstes in den Fokus der Entscheider rückt. Doch bevor nach schnellen und einfachen Lösungen gesucht wird, sollte man sich vorab überlegen, wie die eigene Zielsetzung eigentlich aussieht.

Wie will ich als Krankenhaus oder medizinischer Dienstleister wahrgenommen werden?

Wie verstehe ich meine Rolle gegenüber dem Patienten?

Welche Verantwortung habe ich gegenüber dem Patienten?

Allzuschnell wird dem Patienten gegeben, was er (vermeintlich) möchte: Nachmittags gibt es ein Stückchen Kuchen, als Dessert zum Mittagessen soll’s der Pudding wie von Mutti sein, und eine Kaffeelounge für die Wahlleistungspatienten wird wohl bald zum Standard gehören.

Die Rolle des Krankenhauses in der Gesellschaft

Aber entspricht dies der Rolle eines Krankenhauses aus Sicht des Patienten? Was erwartet der Patient von „seinem“ Krankenhaus? Erwartet er wirklich das, was er sich selbst zuhause immer gönnt (und was ihn vielleicht auch gerade ins Krankenhaus gebracht hat)?

Oder kann er nicht vielmehr Orientierung für eine gesunde Lebensweise erwarten? Sollte das Krankenhaus nicht neben der akuten Behandlung auch einen kleinen Teil zur Vorsorge beitragen?

Natürlich ist es nicht möglich, innerhalb von 1 – 2 Wochen den gesamten Lebensstil und die tief verwurzelten Ernährungsgewohnheiten eines erwachsenen Menschen komplett umzukrempeln. Aber es ist durchaus möglich, eine mögliche Richtung zumindest aufzuzeigen.

Ein prall gefüllter Kühlschrank mit Fertigdesserts und süßen Säften mag ein schöner Blickfang sein und wird mit Sicherheit auch viel Beachtung finden, aber er hat nichts mit der Rolle des Krankenhauses als Ort der Gesundheit zu tun. Im Gegenteil, es führt eher dazu, dass das Krankenhaus sein Ansehen und seine herausgehobene Stellung innerhalb der Gesellschaft verliert und letztendlich mit Hotels verglichen wird. Das heißt nicht, dass ein bisschen Wohlfühlatmosphäre aus dem Hotel nicht auch in das Krankenhaus übertragen werden kann. Denn auch dies trägt zur Gesundung bei. Jedoch muss dabei immer die Gesundheit im Vordergrund stehen und nicht Wellness, Entspannung oder Luxus. Die Gefahr besteht andernfalls, dass zu viel Geld in diesen Bereich investiert wird – auf Kosten des „Kerngeschäfts“.

Fazit

Eine angenehme Atmosphäre ist wichtig und auch gutes Essen ist sehr wichtig. Aber die Krankenhäuser sollten sich auch auf ihre Rolle in der Gesellschaft besinnen und sich bewusst von Hotels abgrenzen. Am besten durch Qualität in gesunder Verpflegung.